Der erste Monat

Mittwoch Nacht, halb 11. Busfahrt von Chiang Mai zurück nach Bangkok. Wir sind spontan in Thailand.
Geplant war das auch für diese Zeit, doch ein Jahr später. Nach Plan lief aber nicht viel.
Eigentlich war geplant ein Jahr in Australien zu bleiben. Eigentlich hatten wir eine Arbeitsstelle irgendwo auf einer Farm in einem kleinen Dorf in Queensland gefunden. Eigentlich hatten wir ein Auto. 

Angefangen haben die Planänderungen schon früh in Australien. Schnell haben wir merken müssen, dass Darwin nicht die Stadt ist, die vor Farmarbeit platzt, wie wir es vorher gelesen hatten. Zwar bietet das Northern Territory die klimatischen Bedingungen dafür, doch gibt es einfach nahezu keine farms in oder um Darwin. Eine neue Jobperspektive musste her.

Ursprünglich hatten wir uns vorgenommen, nach dem letzten Jahr arbeiten und sparen in Deutschland, die erste Woche in Australien zu genießen um Urlaub zu machen. Den ersten Tag sind wir direkt zum nahegelegenen Mindil beach, haben uns gut eingecremt, sind schnorcheln gegangen und haben das sonnige Wetter genossen. Schon am Abend wurde mir bewusst, dass wir uns wohl doch verbrannt haben. Der Rücken brennt leicht. Schnell noch Aftersun gekauft und zurück ins Youth Shack Hostel. Am nächsten morgen machen sich die Ausmaße des Sonnenbrands bemerkbar. Mein rücken ist krebsrot und schmerzt auch schon ohne dass ich mich bewege. Bewegt hab ich mich dann die erste Woche auch nicht mehr viel. Dafür hatten wir umso mehr Zeit für Organisatorisches.

Geplant war es auch, sobald wir einen Van gekauft haben in diesem zu wohnen, um Kosten für Unterkünfte zu sparen. 

Facebook Seiten und auch Seiten wie Gumtree werden zum Kauf von Autos in Darwin genutzt. Viele Vans gabs dort nicht, dafür umsomehr Geländewagen mit 4WD Antrieb, welcher einem ermöglicht auf unterschiedlichsten Gelände zu fahren. Da diese Autos neben Kühlbox, Gepäck etc nicht mehr allzu viel platz für ein Bett übrig lassen, sind Dachzelte eine gut Alternative. Gut, dass viele Angebote diese schon beinhalten. 

Fotos der Vorbesitzer
Fotos der Vorbesitzer
Fotos der Vorbesitzer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch als wir mit unserem Wagen knapp eine Stunde aus der Stadt raus auf den Campingplatz fuhren, sagte man uns dort dass man einen Camper mit integrierter Toilette bräuchte. So haben wir beim nächstgelegenen Campingplatz angerufen um diesmal vorher abzuklären ob wir bleiben dürfen. Fehlanzeige, keine Dachzelte. Also zurück in die Stadt.

 

Naturweg am Stadtrand
an der Esplanade
Dämmerung am deckchair cinema
Sonnenuntergang am deckchair cinema

 

Nachdem wir die erste Woche noch im Youth Shack verbracht haben, kam der Autokauf gelegen um die Unterkunft zu wechseln. Nach vergeblicher suche nach einem Campingplatz, dazu dass es schon später abends war und ein hostel trotzdem mindestens 27$ die Nacht kostet, haben wir beschlossen eine Nacht im Auto auf einem Parkplatz zu verbringen. Da das verboten ist und hohes Bußgeld kostet, die Fenster mit Mülltüten abgeklebt, Mit Handtüchern an Wäscheklammern als Sichtschutz, sind wir dann doch 4 Nächte dort geblieben und haben am Strand kostenlose Duschen benutzt. Ziemlich unbequem aber war das gesparrte Geld wert.

Wir haben einen Job in Queensland gefunden, welcher 30 Stunden Autofahrt entfernt von Darwin liegt. Das wäre für uns mit unserem Auto an einem Wochenende zu schaffen. Da wir noch eine Woche bis zu Beginn der Arbeit Zeit hatten, beschlossen wir die Tage im Litchfield und Kakadu Nationalpark zu verbringen. Auf dem Weg dorthin hatten wir einen Crash. Keiner Verletzt, doch ein Schaden an unserem Auto.

Abends gingen wir zum Melaleuca hostel, welches voll war. Weil wir schon gebucht hatten, kamen wir somit die nächsten Tage neben an, für den selben Preis, im Hotel nebenan unter. Unser Auto steht auf dem Parkplatz. Der vordere rechte Blinker und das Licht sind kaputt. Dazu noch ein Schaden an der Karosserie. Wir standen vor der Frage „reparieren oder verkaufen?“

Da wir uns entgegen üblicher backpacker Wagen aus den 80ern oder 90ern einen Honda CR-V von 2006 kaufen, wäre die Reparatur und Teile annähernd so teuer wie der Kaufpreis.

Über Facebook lernten wir einen Mechaniker kennen, der uns die Reparatur zu einem geringeren -doch noch immer hohen- Preis anbot.
Für den Kauf des Autos hingegen bot er uns noch mehr als die Hälfte des Kaufpreises
So entschlossen wir uns nach Inspektion und Probefahrt unser eine Woche zuvor erst gekauftes Auto wieder zu verkaufen. 

Ohne Auto hatten wir dann aber wieder keine Unterkunft und beschlossen zumindest eine Nacht das Geld zu sparen und am Strand zu schlafen. Das war etwas riskant wegen des Wildcamping- Verbots, aber der Strand war von Pflanzen Bedeckt und recht bequem. 

Morgens war Anita schon wach und richtete alles so her als wären wir erst eben hergekommen. Trotzdem sprach uns kurz darauf ein Polizist an. Er reagierte beruhigt darauf, dass wir sagten, wir hätten nicht am Strand geschlafen. Er sagte, dass Schlafen an dem Strand gefährlich sei, weil vor allem Nachts Krokodile dort hin kommen. Besonders zu dieser Zeit werden die Tiere oft durch den vielen Regen in das Meer gespült. Das erklärte auch weshalb der Strand immer leer war als wir schnorcheln waren. 

Es waren aber keine Schilder mit Krokodilwarnungen da. Erst als wir ein paar Tage auf die andere, von Steinen getrennte Seite kamen, sahen wir ein Schild mit Würfelquallen und Krokodil  Warnungen. Wir hatten echt Glück.

Warnung vor Krokodilen und Quallen
Sonnenuntergang am Mindil beach

 

 

 

 

 

Ein anderer Australier, den wir auf Koh Samui in Thailand trafen, konnte unsere Geschichte kaum glauben. Er wollte es direkt all seinen Freunden erzählen, denn jedes Jahr sterben rund 2 Leute (meistens Deutsche und Franzosen) aus Unwissenheit in Darwin an Krokodilangriffen. 

Für Australier scheint das unglaublich, denn jeder weiß über die Risiken des Schwimmens im nördlichen Gewässer Bescheid. Die bis zu 8m langen Krokodile würden einen angreifen und erst nur das Genick brechen, sagte der Australier. Meist sind ihre Opfer dann noch am Leben während sie von den Tieren in eine Höhle zum späteren Verzehr gebracht werden.

Auf dem Weg zum Botanischen Garten
Auf dem Weg zum Botanischen Garten

Das nimmt uns die Worte und wir sind noch glücklicher darüber es unversehrt aus Australien raus geschafft zu haben.

Der Job in Queensland auf der cattle farm & bar/hotel war so nicht mehr zu erreichen. Der Lohn wäre mit 300$/Woche eh miserabel gewesen.

Unterkünfte in Australien sind teuer und ohne Arbeit nicht lange zu tragen, Flüge nach Thailand hingegen sind günstig und Hostels erst recht.

Da wir in Australien quasi wieder am Anfang stünden und wir uns in Thailand mit einem Schulfreund und zwei mitreisenden Stuttgartern treffen und weiterreisen könnten, war die Entscheidung getroffen. Schade, aber Asien hat auch viel das für sich spricht. Vielleicht ist es sogar das bessere Reiseziel für uns, weil alles Unbekannter und nicht so westlich ist.

An dem letzten Samstag in Australien entscheiden wir uns dazu mit Leuten aus unserem Hostel in eine bar zu gehen. Es gibt gratis Pizza, das erste Bier geht aufs Haus und viele Gewinnspiele.
Meist sind die Gewinne Bier. Beim Papierflieger-Weitwurf ist aber eine Reise zu gewinnen.
Anita und ich stellen uns dazu. Als einer der Letzten fliegt mein Papierflieger am Weitesten und gewinnt.

Der Preis ist ein 3 Tages Trip für 2 Personen in den Litchfield und Kakadu Nationalpark. Das sind eben die Parks, auf dessen Weg wir den Autounfall hatten und nicht mehr weiter konnten . Wert: über 500 AU$ pP. Unsere Flüge für zwei Tage später sind bereits gebucht und in Bier auszahlen lässt der Preis sich nicht.
Ich schaffe es immerhin noch vor Abflug den Preis an eine Freundin der Frau an der Reception für 85 AU$ zu verkaufen.

Zwei Nächte später bringt uns der Mechaniker nachts mit unserem ehemaligen Auto zum Flughafen. Unterwegs kann ich mein Portemonnaie nicht finden, Anita beruhigt mich.

Doch im Flughafen bei genauerer Suche ist es nicht da.
Online sehe ich, dass wenigstens noch kein Geld von Bank- und Kreditkarte abgehoben ist. Also schnell alle Karten sperren und dem Hostel schreiben.
Nach einem sehr ungeduldigen Flug erhalte ich in Singapur die Nachricht. Der Hausmeister habe mein Portemonnaie nachts beim Aufräumen gefunden. 

Doch er schreibt nicht, was noch drin ist.
Drin sein sollte, neben allen Bankkarten, Führerschein und Perso, das Geld was wir für den Verkauf des Autos in bar erhalten haben, etwas deutsches Geld und noch mehr Bargeld. 

Der Mechaniker hilft uns weiter, über Nachrichten bietet er an, das Portemonnaie abzuholen und per Post zu einer Freundin meiner Oma nahe Sydney zu schicken. 
Als er das Portemonnaie abholt und direkt schreibt, dass alles noch drin sei, sind wir bereits in Phuket, Thailand und unbeschreiblich erleichtert.

 

Da wir in Singapur wieder einen längeren Aufenthalt haben und dieses Mal nicht den Transfer Bereich verlassen müssen, um unser Gepäck zu holen, entscheiden wir uns dieses Mal an der kostenlosen City Tour teilzunehmen. Der Guide scheint gestresst und bittet auf dem Weg zum Bus die Gruppe mehrfach vergeblich beisammen zu bleiben.

Schon zu Beginn geht ein kleines Mädchen, schätzungsweise unter 10 Jahren, verloren. Das ist dem Guide egal, wir haben keine Zeit, wir müssen weiter.
Wenig später hat es ein älterer Mann etwas zu eilig und geht schon ohne die Gruppe durch den Zoll, danach wird er nicht mehr rein gelassen. Die Gruppenführerin regt sich kurz etwas auf, aber handelt nicht. Ein anderer Teilnehmer zeigt ihm die Richtung und schließlich findet er noch zu der Gruppe zurück.

Im Bus erklärt man uns, dass Singapur das einzige Land weltweit ist, das kostenlose Stadttouren anbietet, das nur weil das Land uns liebt. Das wird auch mehrfach noch betont. Es folgen Erklärungen über die Trennung von Malaysia, die Regierung und 0% Arbeitslosigkeit.

Am ersten Stop angekommen, haben wir eine halbe Stunde Zeit um uns umzuschauen und Fotos zu machen.
Da ich nicht verstanden habe wo der Treffpunkt ist, frage ich noch mal genau nach. In einer halben Stunde unter der Brücke, wo sich die Gruppe geteilt hat.

Das Wahrzeichen von Singapur

Zwanzig Minuten später bin ich unter der Brücke und warte. Der ältere Mann, der anfangs schon verloren ging, irrt dort auch rum und scheint auf den Rest zu warten.Als die halbe Stunde um war und noch immer keiner unter der Brücke ist, werde ich skeptisch und gehe zurück zum Bus.
Auf halber Strecke kommt mir Anita mit beiden Rucksäcken entgegen. 

Treffpunkt sei im Bus gewesen. Der Guide sagte, wir hätten einen strickten Zeitplan und können nicht warten. Der Busfahrer meint, Anita soll unsere Sachen nehmen und mich  von unter der Brücke holen. Darauf, dass wir nicht wissen wie wir wieder zum Flughafen zurück sollen, sagt er, wir sollen uns ein Taxi nehmen.

So standen wir mitten in Singapur ohne Internet, Geld oder einer Idee wie wir es zum Flughafen zurück schaffen sollen.
Es ist heiß, die Luft ist schwül, die Taschen sind schwer und die 27km Fußweg zum Flughafen sind nicht zu schaffen.
Nachdem wir ein wenig durch die Gegend geirrt sind, finden wir ein Einkaufscenter. Wlan! Wir finden heraus, dass ein Bus von dort aus zum Flughafen fährt.

Wir haben kein Bargeld und der Busfahrer versteht alleine der Sprache wegen unsere Situation schon nicht.
Personal in der Mall kann uns aber den Weg zum nächsten Geldautomaten erklären – zumindest in seine Richtung zeigen.

Nach weiterer Suche finden wir endlich den Automaten und heben zu viel Geld gegen zu hohen Gebühren ab.
Die Busfahrer haben kein Wechselgeld, also gehen wir zurück in die Mall und suchen nach einem Laden zum Wechseln. Gut, dass der Bus alle 10 Minuten kommt.

Im Flughafen angekommen haben wir sogar noch Zeit für einen Snack. Weiter nach Phuket in Thailand.

Nachtflug nach Phuket

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